Fahrradreifen selbst wechseln Schritt für Schritt

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Wenn du dir die Frage stellst, wie du einen Fahrradreifen selbst wechseln kannst, bist du hier genau richtig. Dieser Leitfaden richtet sich an alle Radfahrerinnen und Radfahrer, die lernen möchten, wie man einen Platten repariert oder einen alten Reifen austauscht, um eigenständig und kostengünstig ihr Fahrrad einsatzbereit zu halten. Wir erklären dir Schritt für Schritt, welche Werkzeuge du benötigst und wie du mit etwas Übung und Geduld diese wichtige Wartungsarbeit erfolgreich meisterst.

Notwendiges Werkzeug und Material für den Reifenwechsel

Bevor du mit dem eigentlichen Wechsel des Fahrradreifens beginnst, ist es unerlässlich, das passende Werkzeug und das benötigte Material bereitzuhalten. Eine gute Vorbereitung spart Zeit und Frustration. Hier ist eine Checkliste der wichtigsten Dinge:

  • Neuer Fahrradreifen: Achte darauf, dass der neue Reifen die korrekte Größe für dein Laufrad hat. Die Größe findest du meist auf der Seitenwand des alten Reifens (z.B. 28-622 für Rennräder oder Trekkingräder, 26×2.00 für Mountainbikes).
  • Neuer Fahrradschlauch: Ebenfalls in der passenden Größe und mit dem richtigen Ventil (Schrader-, Presta- oder Dunlop-Ventil).
  • Reifenheber (mindestens zwei Stück): Diese Kunststoffhebel sind unerlässlich, um den Reifen von der Felge zu lösen.
  • Flickzeug (optional, falls du nur den Schlauch flicken möchtest): Enthält Flicken, Vulkanisationsmittel und Schleifpapier.
  • Luftpumpe: Eine Standpumpe ist ideal, da sie leistungsfähiger ist. Eine kleine Minipumpe für unterwegs ist aber auch nützlich.
  • Schraubenschlüssel oder Inbusschlüssel (falls dein Laufrad nicht mit Schnellspannern befestigt ist): Die Größe hängt von den Achsmuttern deines Fahrrads ab.
  • Lappen oder Handschuhe: Um deine Hände sauber zu halten.
  • Eimer mit Wasser (optional, zur Lokalisierung von Löchern im Schlauch): Hilfreich, um undichte Stellen zu finden.

Vorbereitung und Demontage des Laufrads

Der erste Schritt ist, das Laufrad, dessen Reifen gewechselt werden soll, vom Fahrrad zu trennen. Dies erfordert je nach Fahrradtyp eine leicht unterschiedliche Vorgehensweise.

Laufrad ausbauen

Bei Schnellspannern:

  • Öffne den Schnellspannerhebel am Laufrad.
  • Drehe die Mutter auf der gegenüberliegenden Seite auf, bis sich das Laufrad frei bewegen lässt.
  • Bei Hinterrädern musst du eventuell die Kette etwas nach unten ziehen, um das Laufrad leichter herausnehmen zu können. Dies gelingt, indem du das Schaltwerk leicht nach hinten drückst.

Bei Achsmuttern:

  • Suche den passenden Schraubenschlüssel oder Inbusschlüssel.
  • Löse die Muttern auf beiden Seiten der Achse.
  • Ziehe das Laufrad vorsichtig aus der Gabel (vorne) oder dem Ausfallende (hinten).

Luft ablassen und Reifen demontieren

Sobald das Laufrad ausgebaut ist, muss die gesamte Restluft aus dem Reifen abgelassen werden. Drücke dazu auf das Ventil. Bei einem Schrader-Ventil (Autoventil) kannst du einen kleinen Stift in der Mitte eindrücken. Bei einem Presta-Ventil (Sclaverand-Ventil) musst du zuerst die kleine Rändelmutter oben am Ventil aufschrauben und dann das Ventil herunterdrücken.

Nachdem die Luft abgelassen ist, beginne mit dem Entfernen des Reifens von der Felge. Drücke den Reifen rundherum von der Felgenflanke weg, um ihn in das Felgenbett zu drücken. Dies erleichtert das Ansetzen der Reifenheber.

Setze nun den ersten Reifenheber unter den Rand des Reifens, einige Zentimeter neben dem Ventil. Hebele den Reifen vorsichtig über den Felgenrand. Halte diesen Reifenheber fest oder klemme ihn an einer Speiche ein. Setze den zweiten Reifenheber einige Zentimeter daneben an und hebele ebenfalls den Reifen über den Felgenrand. Wiederhole diesen Vorgang, bis eine Seite des Reifens komplett von der Felge gelöst ist.

Mit etwas Glück kannst du nun den Rest des Reifens von Hand von der Felge ziehen. Falls nicht, nutze den Reifenheber erneut. Nachdem eine Seite des Reifens gelöst ist, kannst du den Schlauch herausziehen. Beginne dabei am besten gegenüber dem Ventil, um das Ventil nicht zu beschädigen.

Inspektion und Vorbereitung des neuen Reifens

Bevor du den neuen Reifen montierst, ist eine gründliche Inspektion der Felge und des alten Reifens von entscheidender Bedeutung. Dies hilft, die Ursache des Plattens zu identifizieren und zukünftige Pannen zu vermeiden.

Ursachenforschung bei einem Platten

Überprüfung des alten Reifens: Untersuche die Lauffläche und die Seitenwände des alten Reifens sorgfältig auf Schnitte, Risse oder eingefahrene Fremdkörper wie Dornen, Glassplitter oder kleine Steinchen. Wenn du einen solchen Fremdkörper findest, entferne ihn vorsichtig. Achte darauf, dass der Fremdkörper nicht zu tief eingedrungen ist und die Felge beschädigt. Manchmal sind kleine Löcher nur oberflächlich und kein Grund für einen Reifenwechsel, aber bei größeren Beschädigungen oder Unsicherheit ist ein Austausch ratsam.

Überprüfung des Felgenbands: Das Felgenband schützt den Schlauch vor den Speichennippeln. Stelle sicher, dass das Felgenband intakt ist, keine Risse aufweist und mittig auf der Felge sitzt. Ein beschädigtes oder verrutschtes Felgenband ist eine häufige Ursache für Plattfüße.

Überprüfung des neuen Reifens: Untersuche auch den neuen Reifen auf eventuelle Transportschäden oder Produktionsfehler.

Montage des neuen Reifens und Schlauchs

Nun kommt der eigentliche Einbau des neuen Reifens und Schlauchs. Geduld ist hierbei der Schlüssel zum Erfolg, um den Schlauch nicht zu beschädigen.

Schlauch einlegen

Bevor du den neuen Schlauch montierst, pumpe ihn leicht auf, nur so viel, dass er seine Form behält. Dies erleichtert das Einlegen und verhindert, dass er sich verdreht oder zwischen Reifen und Felge gerät. Setze das Ventil des Schlauchs in das Ventilloch der Felge ein und befestige es mit einer kleinen Mutter, falls vorhanden, oder halte es einfach fest. Lege den leicht aufgepumpten Schlauch nun gleichmäßig in das Innere des Reifens. Achte darauf, dass er keine Falten wirft.

Reifen aufziehen

Beginne nun, die erste Seite des Reifens auf die Felge zu ziehen. Arbeite dich vom Ventil aus nach beiden Seiten. Nutze deine Hände, um den Reifenwulst über den Felgenrand zu drücken. Wenn es an einer Stelle schwieriger wird, kann es helfen, den bereits montierten Teil des Reifens in die Mitte des Felgenbetts zu schieben, um mehr Spielraum zu schaffen.

Wenn du das Ende erreichst und der Reifen nur noch schwer auf die Felge geht, kann dies am Ende ein wenig Kraft erfordern. Versuche, den Reifenwulst mit den Daumen über den Felgenrand zu schieben. Wenn dies nicht gelingt, nutze vorsichtig einen Reifenheber. Achte darauf, den Schlauch dabei nicht einzuklemmen!

Wenn beide Reifenflanken korrekt in der Felge sitzen, überprüfe noch einmal rundherum, ob der Schlauch nirgends zwischen Reifen und Felge eingeklemmt ist. Dies kannst du tun, indem du den Reifen rundherum zusammendrückst und mit den Augen kontrollierst.

Aufpumpen und Laufrad wieder einbauen

Der letzte Schritt ist das Aufpumpen des Reifens und das Wiedereinbauen des Laufrads in das Fahrrad.

Aufpumpen und Endkontrolle

Pumpe den Reifen langsam auf. Achte dabei aufmerksam auf die Seitenwand des Reifens. Oft gibt es eine Markierung, die anzeigt, wie weit der Reifen in die Felge hineinragen soll. Wenn der Reifen anfängt, sich auf der Felge zu setzen, ist dies ein gutes Zeichen. Pumpe weiter, bis der gewünschte Druck erreicht ist. Der empfohlene Druck steht ebenfalls auf der Seitenwand des Reifens (in bar oder PSI). Ein zu hoher oder zu niedriger Druck kann die Fahreigenschaften negativ beeinflussen und das Risiko von Pannen erhöhen.

Kontrolliere nach dem Aufpumpen nochmals, ob der Reifen rundherum gleichmäßig auf der Felge sitzt und keine „Beulen“ aufweist. Überprüfe den Sitz des Ventils.

Laufrad wieder einbauen

Baue das Laufrad nun wieder in das Fahrrad ein. Achte darauf, dass es gerade und fest sitzt. Bei Hinterrädern ist es wichtig, dass die Kette korrekt auf dem Zahnkranz liegt. Bei Scheibenbremsen achte darauf, dass die Bremsscheibe nicht verbogen wird und sauber zwischen die Bremsbeläge passt.

Bei Schnellspannern: Schließe den Schnellspannerhebel fest. Der Hebel sollte sich mit deutlichem Widerstand schließen lassen, aber nicht so fest, dass du Angst hast, ihn abzubrechen.

Bei Achsmuttern: Ziehe die Muttern auf beiden Seiten der Achse fest. Achte darauf, dass das Laufrad gerade sitzt.

Drehe das Laufrad, um sicherzustellen, dass es frei läuft und nicht schleift. Überprüfe die Bremsen, um sicherzugehen, dass sie korrekt funktionieren.

Phase des Reifenwechsels Wichtige Arbeitsschritte Benötigte Werkzeuge/Material Typische Herausforderungen Tipps zur Fehlervermeidung
Vorbereitung & Demontage Laufrad ausbauen, Luft ablassen, Reifen von Felge lösen Reifenheber, Schraubenschlüssel (ggf.), Lappen Fest sitzende Achsmuttern, Verdrehte Reifenwülste Schnellspanner richtig öffnen, Reifen rundherum in Felgenbett drücken
Inspektion & Vorbereitung Ursachenforschung am alten Reifen, Felge und Felgenband prüfen Lupe (optional), Fingerfertigkeit Eingefahrene Fremdkörper übersehen, Beschädigtes Felgenband Sorgfältige visuelle und haptische Prüfung, Fremdkörper vollständig entfernen
Montage neuer Reifen/Schlauch Schlauch leicht aufpumpen, Schlauch einlegen, Reifenwulst auf Felge ziehen Reifenheber (ggf.), Pumpe Schlauch einklemmen, Schwierig zu montierende Reifenwülste Schlauch vor dem Aufziehen leicht aufpumpen, Geduldig arbeiten, Reifenheber vorsichtig einsetzen
Aufpumpen & Endmontage Reifen aufpumpen, Laufrad einbauen, Bremsen prüfen Pumpe, Schraubenschlüssel (ggf.) Ungleichmäßiger Sitz des Reifens, Schleifende Bremsen Auf gleichmäßigen Sitz des Reifens achten, Korrektes Anziehen des Schnellspanners/der Muttern

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Fahrradreifen selbst wechseln Schritt für Schritt

Wie oft sollte ich meine Fahrradreifen wechseln?

Die Lebensdauer eines Fahrradreifens hängt stark von der Qualität des Reifens, dem Einsatzbereich, dem Fahrstil und der regelmäßigen Wartung ab. Generell solltest du deine Reifen etwa alle 3.000 bis 6.000 Kilometer inspizieren und bei Bedarf austauschen. Achte auf sichtbare Abnutzungserscheinungen wie tiefe Risse, abgefahrene Profilbereiche, poröse Gummistellen oder häufige Pannen. Auch die Seitenwände können mit der Zeit porös werden, was ein Sicherheitsrisiko darstellt.

Kann ich einen platten Schlauch flicken statt zu wechseln?

Ja, das Flicken eines Schlauchs ist eine gängige und kostengünstige Methode, um kleinere Löcher zu beheben. Du benötigst dafür ein Flickzeug-Set mit Vulkanisationsmittel, Flicken und Schleifpapier. Nach dem Lokalisieren des Lochs (z.B. durch Aufpumpen und Eintauchen in Wasser) raust du die Stelle an, trägst das Vulkanisationsmittel auf, lässt es antrocknen und drückst dann den Flicken fest auf. Größere Risse oder Beschädigungen am Ventil machen einen Flicken oft sinnlos, und ein neuer Schlauch ist die bessere Wahl.

Welche Reifengröße brauche ich für mein Fahrrad?

Die Reifengröße ist entscheidend für die Kompatibilität mit deiner Felge und deinem Fahrradrahmen. Die Größe ist in der Regel auf der Seitenwand des alten Reifens angegeben. Gängige Bezeichnungen sind z.B. „28-622“ (für viele Trekking-, City- und Rennräder, entspricht 700x28c) oder „26×2.00“ (für Mountainbikes). Achte auf die Kombination aus Felgendurchmesser und Reifenbreite. Im Zweifelsfall kannst du die Anleitung deines Fahrrads konsultieren oder einen Fachhändler fragen.

Was ist der Unterschied zwischen Presta-, Schrader- und Dunlop-Ventilen?

Es gibt drei Haupttypen von Fahrradventilen:

  • Schrader-Ventil: Auch bekannt als Autoventil, ist breiter und einfacher zu bedienen. Es wird häufig bei Mountainbikes und Citybikes verwendet.
  • Presta-Ventil (Sclaverand-Ventil): Schlanker und mit einer kleinen Rändelmutter an der Spitze, die aufgeschraubt werden muss, um Luft abzulassen. Es ist präziser und ermöglicht höhere Drücke, oft bei Rennrädern und hochwertigen Fahrrädern zu finden.
  • Dunlop-Ventil (Blitzventil): Ähnelt in der Funktion dem Schrader-Ventil, ist aber etwas schmaler und wird oft bei älteren oder günstigeren Fahrrädern eingesetzt.

Es ist wichtig, dass der neue Schlauch das gleiche Ventil hat wie der alte, es sei denn, du möchtest deine Felge umrüsten.

Mein neuer Reifen sitzt sehr straff auf der Felge, was kann ich tun?

Manche Reifen sind tatsächlich etwas straffer gefertigt, um einen sicheren Sitz auf der Felge zu gewährleisten. Wenn du Schwierigkeiten hast, den Reifen aufzuziehen, stelle sicher, dass du ihn rundherum gut in das Felgenbett drückst. Manchmal hilft es, den Reifen bei schon halb montiertem Zustand ein wenig mit den Händen zu „walken“, um ihn geschmeidiger zu machen. Wenn du einen Reifenheber verwenden musst, gehe sehr vorsichtig vor, um den Schlauch nicht zu beschädigen. Ein kleiner Tipp: Bei sehr widerspenstigen Reifen kann es helfen, die Reifenwülste leicht mit Seifenwasser zu befeuchten. Aber sei vorsichtig und verwende nur wenig Wasser.

Wie viel Luftdruck sollte ich in meine Fahrradreifen pumpen?

Der empfohlene Luftdruck ist in der Regel auf der Seitenwand des Reifens angegeben und wird in bar oder PSI (Pounds per Square Inch) angegeben. Die optimale Druckhöhe hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Reifengröße: Breitere Reifen benötigen oft weniger Druck als schmalere.
  • Fahrergewicht: Schwerere Fahrer benötigen mehr Druck.
  • Untergrund: Auf unebenen oder weichen Untergründen (z.B. Schotter) kann etwas weniger Druck für mehr Komfort und Grip sorgen. Auf glatten Oberflächen ist ein höherer Druck effizienter.
  • Persönliche Präferenz: Manche Fahrer bevorzugen ein strafferes Fahrgefühl, andere ein weicheres.

Beginne mit dem empfohlenen Mindestdruck und passe ihn nach Bedarf an.

Kann ich einen Reifen mit einer anderen Breite aufziehen?

Ja, oft ist es möglich, einen Reifen mit einer leicht anderen Breite zu montieren, solange er noch auf die Felge passt und genügend Freiraum im Rahmen und an der Gabel vorhanden ist. Die Felgenbreite spielt hier eine wichtige Rolle. Eine zu schmale Felge für einen sehr breiten Reifen oder umgekehrt kann die Fahreigenschaften und die Sicherheit beeinträchtigen. Prüfe immer die Angaben des Reifenherstellers zur Felgenkompatibilität und messe den verfügbaren Platz an deinem Fahrrad nach, bevor du einen Reifen mit abweichender Breite wählst.

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